Das Pareto-Prinzip im Lagerhaus | FORTNA

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Erfolgreich in Lager und Logistik: das Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip, auch 80/20-Regel genannt, ermöglicht Versendern ein besseres Verständnis der Anforderungen an die Lagerbestände und eine optimierte Lagerplatzuweisung der Artikel. Vor allem erlaubt es aber, die für Wachstum und Skalierung von Lager und Logistik erforderlichen Automatisierungslösungen zu ermitteln.

1896 veröffentlichte der französische Wirtschaftswissenschaftler Vilfredo Pareto eine Untersuchung zur Verteilung des Wohlstandes in Paris - die Pareto-Verteilung. Mehr als hundert Jahre später wurde dieses Konzept an die moderne Zeit angepasst und ist besser bekannt als das Pareto-Prinzip oder die 80/20-Regel. Dabei handelt es sich um eine Methode, die besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden.

In der Logistik kann dieses Prinzip auf viele Bereiche angewandt werden, einschließlich Bestandsverwaltung, Auftragsabwicklung und dem Einsatz von Kapazitäten. Wie kann das Prinzip im Zusammenhang mit Systemen und Prozesses in Lager und Logistik angewandt werden? Welche Daten werden dazu benötigt und wie wird die 80/20-Regel zur Optimierung von Beständen und Abwicklung angewendet? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert dieser FORTNA Artikel.

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Datenerfassung

Vor der Anwendung des Pareto-Prinzips ist die Erfassung und Analyse von Leistungsdaten aus Lager und Logistik unerlässlich. Zu den zu berücksichtigenden KPIs gehören:

  • Geschwindigkeit des Fulfillments
  • Auftragsgenauigkeit
  • Häufigkeit der Bestandsbewegungen
  • Lagerumschlag
  • Nullbestände
  • Lieferfristen

Die Kenntnis dieser KPIs sind wichtig - sie liefern Unternehmen die Grundlage zur Datenanalyse, um Geschäftsentscheidungen zu untermauern und Analysen nach dem Pareto-Prinzip durchzuführen. Ein Warehouse Management System (WMS) oder ein Warehouse Execution System (WES) können bei der Analyse und Visualisierung von Echtzeitdaten unterstützen und Trends sowie Schwankungen von Beständen und Anforderungen in Lager und Logistik im Voraus zu erkennen.

Klassifizierung des Lagerbestands

Ein weiterer Schritt vor der Anwendung des Pareto-Prinzips ist die Klassifizierung der Bestände. Dieser Schritt liefert wichtige Erkenntnisse über Nachfrage, Wert und Geschwindigkeit. Für die Klassifizierung können vielfältige Artikeleigenschaften herangezogen werden, u. a. die Umschlagshäufigkeit und Umschlagsgeschwindigkeit, Lageranforderungen und Abwicklungskosten pro Auftrag.

Arten der Bestandsklassifizierung:1

  • ABC-Klassifizierung: Bei dieser Methode werden die Artikel entsprechend ihrer Bedeutung für den Umsatz des Unternehmens kategorisiert, wobei die wichtigste Kategorie als A-Artikel bezeichnet wird, die nächste Stufe als B-Artikel und die am wenigsten wichtigen Artikel als C-Artikel.
  • XYZ-Klassifizierung: Wie bei der ABC-Methode werden die Bestände in drei Level eingeteilt, basierend auf der Regelmäßigkeit ihrer Nachfrage, wobei die Stufe X für die konstanteste Nachfrage steht, Y für schwankende und Z für sporadische Nachfrage.
  • FSN-Klassifizierungbzw. Analyse der Warenrotation: Diese Klassifizierungsmethode bewertet die Häufigkeit, mit der Artikel nachgefragt werden. Sie werden in drei Kategorien eingeteilt: Schnelldreher (F= Fast), Langsamdreher (S= Slow) und Nichtdreher (N=N).
  • HML-Klassifizierung: Diese Methode legt den Schwerpunkt auf den monetären Warenwert der Artikel: hoher Wert (H=High), mittlerer Wert (M=Medium) und niedriger Wert (L=Low).

Das Pareto-Prinzip eignet sich für jede Art der Klassifizierung von Lagerbeständen; es ist jedoch Sache der Unternehmen, die individuellen Prioritäten und Ziele festzulegen, sodass sie den jeweiligen Anforderungen am besten entsprechen.

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Anwendung des Pareto-Prinzips zur Steigerung der Produktivität

In unserem Beispiel verwenden wir die FSN-Bestandsklassifizierung, um die Artikel zu bestimmen, die zur jeweiligen Kategorie gehören, und nutzen dann die operativen KPIs, um die besten 20% aller SKUs zu erkennen. Die Priorisierung dieser Schnelldreher und ein Verständnis für ihre spezifischen Nachfragemuster und Nachschubzyklen sind ein erster Schritt bei der Optimierung der Lagerbestände und eine Reduktion der Lagerhaltungskosten eines Unternehmens.

Auf Grundlage der so gewonnenen Daten können Unternehmen das Layout ihres Distributionscenters, ihr Slotting und ihre Kommissioniermethodik überprüfen.

  • Logistiklayout: Auf Grundlage der SKUs in den oberen 20 % kann ein Unternehmen eine Detailplanung umsetzen, mit der die Einlagerungsgeschwindigkeit der SKUs, die Kommissionierzeit und die Geschwindigkeit der Auftragsabwicklung minimiert werden.
  • Slotting-Potenziale: Die Einteilung der Artikel anhand einer Pareto-Prinzip-Analyse ermöglicht eine Zuordnung des Lagerbestands auf die jeweils optimalen Lagerplätze und sorgt so für eine rasantere Abwicklung und einen höheren Durchsatz.
  • Optimierte Kommissionierung: Eine Kommissioniermethode nach dem Pareto-Prinzip erhöht die Produktivität. Auf Basis einer FSN-Klassifizierung können Unternehmen beispielsweise Artikel entsprechend der Nachfrage bei der Kommissionierung in Zonen einlagern und so dafür Sorge tragen, dass die schnelldrehenden Top 20% der Artikel im möglichst direkten Zugriff eingelagert werden.

Automatisierung: das Pareto-Prinzip als Entscheidungsgrundlage

Das Pareto-Prinzip hilft nicht nur dabei, die Lagerbestände zu optimieren, sondern kann auch bei Entscheidungen über die Art der Automatisierung und der erforderlichen betrieblichen Prozesse helfen. Ein klares Verständnis vom Wert des Lagerbestands und dessen Umschlagshäufigkeit kann Aufschluss über die Technologien wie auch den Automatisierungsgrad geben, der für weiteres Wachstum und zur Erfüllung der Kundenanforderungen nötig ist.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise einen echten 80/20-Bestand hat und die Artikel behälterfähig sind, kann eine kompakte Lagerlösung wie AutoStore oder ein RBG- oder Shuttle-System (RBG/Shuttletechnik) eine Überlegung wert sein.

Für Bestände, die in den Bereich 70/30 bis 60/40 hinsichtlich Umschlagshäufigkeit und -geschwindigkeit fallen, sind andere Automatisierungslösungen eventuell besser geeignet.

FORTNA unterstützt Sie

Ob es um die Definition der Daten innerhalb der vier Wände Ihres Lagers geht oder um die Anwendung des Pareto-Prinzips auf den Bestand - FORTNA unterstützt Sie auf Ihrem Weg von manuellen, arbeitsintensiven Prozessen hin zu einem optimierten, automatisierten Betrieb.

Veröffentlicht/aktualisiert 8/28/23